|
Hobby-Boxer begeistern 1300 Fans
Ein tolles Publikum sorgt bei der Benefiz-Fightnight in der Scandlines Arena für eine grandiose Atmosphäre.
Rostock ‒ Das hätten selbst kühnste Optimisten nicht zu prohezeien gewagt: Sechs Stunden lang zauberten rund 1300 Zuschauer am Sonnabend eine grandiose Atmosphäre in die Rostocker Scandlines Arena und sorgten so neben den Kämpfern im Ring dafür, dass die erste Benefiz-Fightnight ein voller Erfolg wurde. Das Besondere daran: 28 der 30 Boxer des Abends waren Amateure, die zum ersten Mal ins Seilquadrat stiegen.
Ob Jungpolitiker, Journalist oder Vertreter örtlicher Unternehmen, ob ehemaliger oder aktueller Leistungssportler ‒ alle lieferten nach nur dreimonatigem Boxtraining eine Leistung ab, die größte Hochachtung abnötigte. „Eigentlich hätten alle einen Sieg verdient gehabt, die Verlierer taten mir richtig leid“, gab Fightnight-Organisator Christian Bürki Einblick in seine Gefühlswelt. Ansonsten aber wähnte er sich angesichts der Stimmung im siebenten Himmel. „Einfach nur toll“, strahlte Bürki, der mit seinem Team die professionellen Rahmenbedingungen für den Erfolg geschaffen hatte.
Das begann beim durch bewegte Bilder untermalten Einmarsch der Kämpfer, setzte sich fort über die engagierte Betreuung durch die Trainer am Ring und die weibliche Grazie beim Anzeigen der Runde und endete längst nicht bei den Akteuren am und im Ring. Michael Deicken und Oliver Schubert führten die Fans mit knappen, aber unterhaltsamen Informationen durch die Kämpfe, die ein Mann komplett bestritt — der Hamburger Günther Kogucik. Der international renommierte Kickbox-Ringrichter leitete alle 15 Kämpfe des Abends mit viel Fingerspitzengefühl. Der Mann, der sonst in Profikämpfen „Regie führt“, hatte sich exzellent auf die Hobby-Boxer eingestellt.
Die besaßen zweifellos den Hauptanteil an einem furiosen Boxabend, wobei Florian Zemlin für das Highlight des Spektakels sorgte. Der 21-jährige Zweitliga-Handballer des HC Empor schickte seinen neun Jahre älteren Kontrahenten Christian Ciupka von den Rostocker „Nasenbären“ in der zweiten Runde mit einem rechten Haken ins Land der Träume und feierte den einzigen K.o.-Sieg des Tages. „Ich hätte nicht gedacht, dass Christian wirklich zu Boden geht“, staunte Zemlin, der von seinen HCE-Kollegen lautstark angefeuert wurde. Eine eventuelle Zweitkarriere als Boxer schloss der Rückraumspieler aber kategorisch aus. „Ich bin froh, dass das hier vorbei ist und trete lieber ungeschlagen ab“, bewies er Humor.
Für den anspruchsvollsten Fight sorgten zwei andere Sportler. Küstenringer Christian Nützmann und der ehemalige Rostocker Wasserspringer Frank Sander attackierten sich auf einem Niveau, das sogar Trainer Martin Sengbusch staunen ließ: „Für so wenig Erfahrung im Ring eine unglaubliche Leistung.“ Während sich Punktsieger Nützmann über den Erfolg „auf einem anderen Terrain“ freute, gestand Sander, dass „so ein Zweikampf gegen einen sympathischen Gegner etwas Ungewohntes war“.
Ungewohnt war der Auftritt im Boxring mit Sicherheit auch für Thomas Harnisch vom CJD und Matthias Herrmann, den Chef des Warnowtunnels. 92 Jahre brachten die Beiden zusammen in den Ring, was sie nicht von einem beherzten Fight abhielt. Riesenapplaus gab es auch für Andreas Bahr. 148 Kilogramm brachte der Rugbyspieler von den Dierkower Elchen auf die Waage und hatte dennoch zunächst gegen „Leichtgewicht“ Martias Martinetz (Griffins/115 kg) Probleme. Mit unbändigem Kampfgeist drehte das Schwergewicht den Kampf und feierte am Ende einen 3:0-Punktsieg.
Den landete auch Thomas Rupprath (34) im Duell mit dem aus Kuba stammenden Baseballer Eddy Napoles (Bucaneros/47). Dabei gefiel der ehemalige Weltklasse-Schwimmer mit einer beeindruckenden taktischen Leistung. Einen Wermutstropfen gab es am Ende doch noch: Der Fight zwischen den Olympiasiegern Andreas Zülow (1988) und Andreas Tews (1992) blieb aufgrund fehlender Kampflizenzen ohne Wertung. Beide bewiesen aber, dass sie noch topfit sind.
Der letzte Akt der Benefiz-Fightnight geht morgen Abend über die Bühne, wenn die Veranstalter den Reinerlös an sechs Rostocker Kindereinrichtungen übergeben. Eine Neuauflage soll‘s im nächsten Jahr geben. Da kann man mit Ringsprecher-Ikone Michael Buffer nur sagen: „Let’s get ready to rumble.“
Burkhard Ehlers
(Ostsee-Zeitung)
|